Work-Life-Balance als Lehrer:in - Illustration einer Frau, die mit Smileys jongliert Nuhhawut Somsuk/iStock/Getty Images Plus
Work-Life-Balance

10 Tipps für eine bessere Work-Life-Balance als Lehrer:in

Marc Horn
Lesedauer: 6:13 Minuten

Als Lehrkraft haben Sie sich für einen vielseitigen und verantwortungsvollen Beruf entschieden, der aber auch mit hohen emotionalen Belastungen einhergeht. Eine Vielzahl an Aufgaben erwartet Sie jeden Tag. Eine Abgrenzung zwischen Privat- und Berufsleben fällt hier oft schwer. Wie können Sie es als Lehrkraft schaffen, die beiden gekonnt voneinander abzugrenzen? Das Zauberwort hierfür lautet: eine gesunde Work-Life-Balance als Lehrer:in. Hierfür erhalten Sie im Folgenden 10 konkrete Tipps.

Tipp 1: Prioritäten setzen

Ihre To-Do-Liste findet kein Ende und das Schreiben dieser macht eigentlich keinen Spaß? Notieren Sie Ihre To-Do’s in einer Liste, die in drei unterschiedliche Prioritätsstufen unterteilt ist. Zusätzlich können Sie diese mit Farben darstellen.



Prioritätsstufen können sich hierbei nach der jeweiligen Deadline orientieren. Je weniger Zeit übrig ist, desto höher ist die Priorität. Gegebenenfalls können Sie Ihre Liste noch um Zeiteinheiten ergänzen, in welchen Sie abschätzen, wie lange die Aufgabe braucht.

Beschränken Sie Ihre Liste auf den Lehrerberuf. Falls doch notwendig, legen Sie eine separate Liste für andere Themenbereiche an. Sie sollten in Ihrer Liste nur To-Do’s aufnehmen, welche konkret formuliert und in einem absehbaren Zeitraum erledigt werden können. Immer wiederkehrende To-Do’s kommen nicht auf die Liste, sondern in den doppelten Stundenplan (Tipp 7). Ebenfalls kommen Aufgaben nicht auf die Liste, die weniger als 5 Minuten dauern. Das Aufnehmen in die Liste sollte nie länger dauern als das Bearbeiten der Aufgaben selbst.

Prioritäten setzen bedeutet allerdings auch die richtige Gewichtung zwischen Privat- und Berufsleben. Passen Sie diese Gewichtung Ihren aktuellen Bedürfnissen und Pflichten an. So steht Ihrer verbesserten Work-Life-Balance als Lehrer:in nichts mehr im Wege.

Tipp 2: Aufgaben abgeben

Wenn es Ihnen schwer fällt Arbeit und Aufgaben abzugeben und Sie lieber alles selbst machen, kann das ganz schön belastend sein. Nutzen Sie Teamarbeit als Arbeitserleichterung! Arbeitsteilung, Materialaustausch und die Vergabe fester Verantwortlichkeiten und Aufgaben kann Sie entlasten.

Nutzen Sie also die Vorteile der Arbeit im Team. Sprechen Sie sich ab, nehmen Sie auch Hilfe von anderen an und teilen umfangreiche Aufgaben auf – so profitiert jeder davon!

Tipp 3: Kurzurlaube in den Alltag integrieren

Gerade die Sommerferien sind ein Vorteil des Lehrerdaseins. Ein Nachteil ist, dass Sie auf die nächsten Ferien warten müssen, wenn Sie mal eine Auszeit benötigen. Glücklicherweise gibt es immer wieder verlängerte Wochenenden, z.B. durch bewegliche Ferientage oder Feiertage, die sich wunderbar für einen Kurzurlaub eignen. Nutzen Sie diese als Leher:in für Ihre verbesserte Work-Life-Balance! Um nicht in Zeitnot nach dem Kurzurlaub zu geraten, sollten Sie das Notwendige für die darauffolgende Schulwoche vor der Abfahrt regeln. So können Sie komplett abschalten!

Tipp 4: Ein Nein ist ausdrücklich erlaubt

Im Schulalltag gibt es Pflichtaufgaben, um die Sie nicht herumkommen. Darüber hinaus gibt es aber auch weitere Aufgaben, welche nicht zum Pflichtfeld gehören. Anderen bei deren Pflichtaufgaben helfen, Informationsbriefe aufsetzen oder ein Formular erarbeiten – es gibt immer etwas zu tun!

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ja und Nein

Wenn Sie sich bei zusätzlichen Aufgaben sehr häufig freiwillig melden, dann sollten Sie
  • sich nicht ohne nachzudenken anbieten
  • überdenken, was bei einem Ja auf Sie zukommt
  • überdenken, ob Sie nicht schon genügend zusätzliche Arbeit haben
  • auch mal anderen Personen den Vortritt lassen
Wieso es Ihnen möglicherweise schwer fällt, Nein zu sagen:
  • Angst vor Ablehnung, Konsequenzen oder dem „Egoisten“-Stempel
  • Das Gefühl gebraucht zu werden
  • Das Reinfallen auf die Strategien anderer, z.B. das Überrumpeln
Richtig Nein sagen
Ein Nein sollte klar verständlich, aber trotzdem höflich formuliert werden:
  • Das Nein begründen
  • Danke sagen
  • Verständnis zeigen
  • Ein Teil-Nein geben
  • Gegenvorschlag machen

Tipp 5: Klare Trennung mittels Dienst-Handy und -Mailadresse

Wenn Sie von Eltern oder Schüler:innen Nachrichten direkt auf Ihr privates Smartphone bekommen, ist es Zeit für ein Diensthandy. Hier reicht ein Handy mit einer Anruf- und SMS-Funktion. Statt sich dienstliche E-Mails auf Ihre privaten Endgeräte weiterleiten zu lassen, sollte es genügen, die Mails einmal am Tag über einen PC abzurufen.

Um die Work-Life-Balance als Leher:in effektiver zu gestalten, sollte Ihr Diensthandy nur zu festen Zeiten eingeschaltet sein, z.B. 07:00 bis 18:00 Uhr. An den Wochenenden und in den Schulferien sollten Sie es grundsätzlich ausschalten. Wichtige und notwendige Absprachen können dann immer noch über Ihre dienstliche Mailadresse getroffen werden.

Wenn Sie in Ihrem Smartphone mehrere SIM-Karten nutzen können, können Sie auch davon Gebrauch machen. Möchten oder können Sie sich kein Diensthandy anschaffen, dann unterdrücken Sie Ihre Nummer, wenn Sie zum Beispiel mit Eltern telefonieren.

Tipp 6: Wahl des Freundeskreises

Steuern Sie den Umgang mit beruflichen Themen in der Freizeit bewusst. Wenn Sie in Ihrem Freundeskreis Personen mit demselben Beruf haben oder sogar mit direkten Kolleg:innen befreundet sind, laufen Sie Gefahr, sich auch in Ihrer Freizeit über berufliches zu unterhalten.

Begrenzen Sie den Zeitrahmen, in dem von Beruflichem gesprochen wird. Sie können zum Beispiel ausmachen, dass die ersten 10 Minuten über Berufliches geredet wird und danach muss jeder, der nochmal davon anfängt, 5€ in eine Kasse werfen, mit der der nächste Grillabend bezahlt wird. Sie sollten auch Kontakte zu Nicht-Lehrkräften pflegen. Es kann sehr erfrischend sein, sich mit Personen aus anderen Berufsfeldern zu unterhalten. In der Freizeit über andere Dinge zu sprechen, ist ein Muss für eine gute Work-Life-Balance als Lehrer:in.

Tipp 7: Freizeit erlaubt – Der „doppelte Stundenplan“

Als Lehrkraft bekommen Sie pro Schul(halb)jahr einen Stundenplan. Zusätzlich zu Ihren Deputatsstunden kommen noch Konferenzen, Schulfeste, Elterngespräche und vieles mehr hinzu. Das alles halten Sie wahrscheinlich in einem Kalender fest.

Erstellen Sie einen doppelten Stundenplan, der ebenso gehalten wird, wie Ihr schulischer Stundenplan. Der von der Schule vorgegebene Stundenplan wird hierdurch um regelmäßige private Termine und Zeitslots für Unterrichtsvorbereitung erweitert.

Sie können jede Woche solch einen Stundenplan verwenden und diesen mit Ihrer To-Do-Liste kombinieren. Alternativ können Sie auch einen Stundenplan für das komplette Schul(halb)jahr erstellen und Einzeltermine in Ihren Kalender eintragen.

Eventuell kann es helfen für Privates und Berufliches verschiedene Farben zu verwenden. Außerdem ist es hilfreich unter der Woche rechtzeitig schlafen zu gehen, um fit für den nächsten Tag zu sein. Notieren Sie sich hierbei Ihre Schlafenszeiten in Ihrem Stundenplan, das kann helfen, sich einfacher daran zu halten.

Tipp 8: Bewältigung einer Aufgabe an Zeitkontingent anpassen

Oftmals benötigt man an Tagen, an denen weniger Zeit zur Verfügung steht, für eine Aufgabe viel kürzer als an Tagen, an denen man mehr Zeit dafür hat. Und das heißt nicht, dass die Ergebnisse schlechter ausfallen.

Auch als Lehrer:in kann die Work-Life-Balance so verbessert werden: Planen Sie die Bearbeitung Ihrer Aufgaben. Schieben Sie unangenehme Aufgaben nicht bis zum Ende des Zeitrahmens auf, sondern unterteilen Sie diese in bestimmte Einheiten. Teilen Sie Aufgaben auch zeitlich ein. Wie lange brauchen Sie in etwa für diese Aufgabe und wann passt sie gut in Ihren Tagesplan?

Grundsätzlich gilt: Produktivität geht vor Aktivität. Wenn Sie zielgerichtetes Arbeiten mit einem engeren Zeitfenster kombinieren, können Sie deutlich effektiver arbeiten. Ein Vorteil hierbei ist, dass Sie Ihre Pausen auch wirklich als solche genießen können.

Tipp 9: Der individuelle emotionale Ausgleich

Als Lehrkraft sind Sie in Ihrem Beruf vielen psychischen Belastungen ausgesetzt, was ohne Ausgleich auf Dauer krank machen kann. Schaffen Sie sich einen individuellen emotionalen Ausgleich! Wie dieser für Sie persönlich aussieht, kann stark variieren. Der eine geht gerne Joggen, die andere puzzelt lieber. Sport generell baut Stress und Aggressionen ab, aber auch kreative Tätigkeiten können beruhigend wirken.

Legen Sie sich einen Plan an! Hier können Sie festhalten mit welchen Tätigkeiten und Aktivitäten Sie am besten abschalten können und finden gute Wege, sich auch mal von der Arbeit zu lösen.

Tipp 10: Vorurteilen souverän und selbstsicher begegnen

Das Vorurteil, dass Lehrkräfte sehr viel Urlaub im Jahr haben, hält sich wacker. Auch die Annahme, dass man frei hat, sobald man zu Hause ist, ist weit verbreitet. Selten bekommt man Anerkennung für die damit einhergehende Verantwortung und den anspruchsvollen Beruf und somit auch für die Notwendigkeit der richtigen Work-Life-Balance als Lehrer:in.

Gründe für Vorurteile:
  • Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit mit dem eigenen Berufsleben
  • Vorbilder im eigenen Umfeld, die wenig zu tun haben
  • Unwissenheit und mangelnde Informationen
Vorurteilen souverän begegnen:
  • Machen Sie sich die Gründe für solche Reaktionen bewusst.
  • Im Einzelfall helfen stichfeste Argumente, um die Aussagen zu entkräften – vermeiden Sie dennoch eine Rechtfertigungshaltung.
  • Lassen Sie die anderen reden! Sie selbst wissen, wie anspruchsvoll Ihr Beruf ist.
  • Seien Sie diplomatisch. Eine einfache Antwort, wie „Es steht jedem frei, welchen Beruf er auswählt“ kann schon genügen.