Mädchen und Junge lachend vor einem Bildschirm mixetto/E+/Getty Images
Unterrichtsstörung | Unterrichtsdurchführung | Digitalisierung

Virtuelle Unterrichtsstörungen – fünf effektive Präventions-Tipps für einen geregelten Unterricht

Alessandro Totaro
Lesedauer 2:20 Minuten

Schüler:innen testen gerne Ihre Grenzen aus – vor allem im Unterricht. Lehrende lernen bereits im Studium Techniken, damit umzugehen und eignen sich im Laufe der Karriere weitere Mittel an. Pädagogische Maßnahmen wie Sitzplatzwechsel, Strafarbeit oder Nachsitzen sind keine Seltenheit. Aber auch Schülergespräche, Elterngespräche oder ein professioneller Umgang durch Selbstreflexion und Unterrichtsanpassung können helfen. Diese Maßnahmen kennen die Lehrkräfte aus dem klassischen Unterricht. Aber wie sieht es nun im digitalen Unterricht aus? Eine Möglichkeit, sich auch im digitalen Unterricht vor Störungen zu wappnen, ist die Prävention – damit es möglichst gar nicht so weit kommt. Hier bekommen Sie fünf Tipps, wie Sie im Vorfeld Unterrichtsstörungen vermeiden.

Tipp 1: Eine respektvolle Lehrer-Schüler-Beziehung

Die effektivste Prävention von Unterrichtsstörungen ist eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung. Gehen Sie freundlich mit den Lernenden um, zeigen Sie immer wieder Wertschätzung. Erzählen Sie auch einmal von sich selbst, damit die Lernenden Sie nicht nur als Lehrperson, sondern auch als Menschen wahrnehmen. Seien Sie klug mit Ihren pädagogischen Maßnahmen und wägen Sie diese immer wieder ab, indem Sie jeden Lernenden individuell mit seinen Voraussetzungen und familiären Bedingungen wahrnehmen. Wenn Sie einen guten Draht zur Klasse haben und die Schüler:innen Sie mögen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass die Klasse Sie im Online-Unterricht ärgern will.

Tipp 2: Know-how im Videochat

Gerade wenn Sie sich selbst noch nicht sicher damit fühlen: Arbeiten Sie sich in das bei Ihnen genutzte Videochat-Programm ein. Üben Sie damit umzugehen, indem Sie sich mit anderen Lehrerinnen und Lehrern aus Ihrem Kollegium im Videochat treffen und gemeinsam die unterschiedlichen Tools durchgehen, die das Programm zu bieten hat. Während des Online-Unterrichts sollten Sie möglichst souverän und sicher wirken, denn dies gibt Ihnen Sicherheit und bringt Ruhe in den Online-Unterricht. Eine unsichere Lehrperson, die die digitalen Werkzeuge nicht beherrscht und hilflos wirkt, wird sonst selbst zur Unterrichtsstörung, da das Lernen gehemmt wird. Oft werden zu Videochat-Programmen auch Webinare angeboten, in denen Ihnen Schritt für Schritt der professionelle Umgang mit dem Tool erklärt und gezeigt wird. In Ihrem Kollegium können auch schulinterne Mikro-Fortbildungen stattfinden, in denen digital kompetente Kolleg:innen ihr Wissen mit anderen Kolleg:innen teilen.

Tipp 3: Anmeldung der Lernenden

Eine weitere wichtige Präventionsmaßnahme ist besteht darin, dass alle Lernenden sich mit ihren realen Namen anmelden müssen. Ansonsten geraten Sie möglicherweise bereits zu Anfang ins eine Unruhe-Situation, denn gerne verwenden Schüler:innen provokante oder lustige Namen – und Sie werden erst einmal nicht wissen, wer sich dahinter verbirgt. Legen Sie daher als Ritual fest, am Anfang des Online-Unterrichts jeden anwesenden Lernenden aufzurufen. Entsprechend der Klassenliste können Sie so alle teilnehmenden identifizieren und haben keine Störer. Diejenigen, die ohne Namen oder mit unbekannten Namen dabei sind, sollten Sie aus dem virtuellen Raum entfernen.

Tipp 4: Klärung der Moderatoren-Rechte

Wichtig ist auch beim virtuellen Unterricht, dass Sie die Zügel in der Hand behalten. Bei der Auswahl eines geeigneten Videochat Programms, das Ihnen von Ihrer Schule bereitgestellt wird, sollte nach Möglichkeit schon im Vorfeld geklärt werden, dass Sie Moderatoren-rechte erhalten können. So sollte beispielsweise nur die Lehrkraft von sich aus ihren Bildschirm mit der Klasse teilen können. Steht diese Funktion jedem zur Verfügung, ohne dass die Lehrkraft ab und zu Schüler:innen diese Funktion freischaltet, besteht die Gefahr, dass einer der Lernenden einen Scherz macht und ein Videospiel startet, welches dann mit der gesamten Klasse geteilt wird. Durch eine vorher klar definierte Rolle der Chat-Teilnehmer können Sie diesem Problem präventiv vorbeugen. Als Moderator können zudem nur Sie einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin aus dem Chat entfernen – und nicht Ihre Schüler:innen.

Tipp 5: Gesprächsregeln festlegen

Ebenso wie Sie im Klassenzimmer feste Regeln und Rituale haben, sollten Sie auch für den virtuellen Unterricht Gesprächsregeln festlegen! Eine wertvolle Maßnahme ist das Stummschalten aller Mikrofone der Schüler:innen. So werden störende Hintergrundgeräusche, Rascheln oder Tonstörungen durch Rückkopplungen vermieden. Wenn die Lernenden eine Frage haben oder etwas sagen möchten, müssen sie – ebenso wie im realen Klassenzimmer – ihre Hand in die Kamera halten oder das dafür vorgesehene Symbol des Programms auswählen. Grundsätzlich gilt, dass nur Ihr Mikro dauerhaft aktiviert sein sollte, damit Ihre Arbeitsanweisungen gut gehört und nachvollzogen werden.