Schülerin vor dem Laptop Uwe Krejci/DigitalVision/GettyImages
Unterrichtsvorbereitung | Methoden | Fernunterricht

Fernunterricht: Sinnvoll Material bereitstellen und neue Aufgabenformate definieren

Nikola Burkard mit Unterstützung von Franz Fischer
Lesedauer 03:09

Der Fernunterricht stellt Lehrende vor große Herausforderungen, schließlich müssen bisher selbstverständliche Maßnahmen und Unterrichtsvorbereitungen für den (hybriden) Fernunterricht aufgearbeitet und Materialien auf anderen Wegen zur Verfügung gestellt werden. Schülerinnen und Schülern können nicht wie üblich im Unterricht Sachverhalte erklärt, Aufgaben gestellt, Text- und Bildmaterial an die Hand gegeben oder Inhalte diskutiert werden. Und so stellt sich für Sie die Frage, wie Sie den Klassen stattdessen Aufgaben und Material zukommen lassen können, welche Aufgabenformate sich für den Fernunterricht besonders eigenen und wie Sie am besten mit den Lernenden in Kontakt bleiben.

Die 7 Cs in der hybriden Unterrichtspraxis

 


Die 7 Cs: Care, Confer, Captivate, Clarify, Consolidate, Challenge, Control, helfen Ihnen im hybriden Fernunterricht, diesen zeitgemäß und effektiv zu gestalten.


Take Care

Die Umsetzung der 7 Cs in der Praxis, beginnt bei der Fürsorge („Care“), indem Sie regelmäßig den Kontakt zu Ihren Klassen suchen und dafür sorgen, dass es Möglichkeiten zur mündlichen Rückfrage gibt.

 

Klare Strukturen

Ebenso schaffen Sie Klarheit („Clarify“), da Sie im persönlichen Kontakt, und sei es „nur“ per Telefon, Aufgabenstellungen und Erwartungen besser verdeutlichen können. Dafür rücken im Folgenden nun, aufgrund deren vielfältigen Potenzials, digitale Lernplattformen in den Fokus – allerdings nicht die dortigen Kommunikationsmöglichkeiten, sondern die Möglichkeiten der Materialbereitstellung und diverser Aufgabenformate.

 

Digitale Lernplattformen gibt es unzählige. Abhängig vom Bundesland und der Favorisierung der jeweiligen Schulen sind die Plattformen so verschieden, dass hier keine detaillierte Nutzungsanwendungen gezeigt werden kann. Grundfunktionen und deren Bedeutung sollen jedoch hier erläutert werden.

 

Bei Nutzung einer digitalen Lernplattform, kann eine Lehrkraft dort mit ihren Zugangsdaten einen virtuellen Klassenraum anlegen und die entsprechenden Schülerinnen und Schüler diesem hinzufügen. Der Raum kann dann auf verschiedene Arten strukturiert werden, beispielsweise kann pro (Fern-)Unterrichtswoche ein Verzeichnis angelegt werden, oder pro thematischer Einheit. Innerhalb der Verzeichnisse kann die Lehrkraft dann Dateien hochladen, in aller Regel sind hier Textdokumente, aber auch Bild-, Video- oder Audiodateien möglich.

 

Klassische Arbeitsblätter können Sie Ihrer Lerngruppe hier bereitstellen. Dabei sollten Sie überlegen, ob die Lernenden das Arbeitsblatt analog oder digital bearbeiten sollen. Favorisieren Sie das analoge Arbeiten, ist es empfehlenswert die Datei beispielsweise im pdf-Format hochzuladen, damit sich beim Öffnen durch die Schülerin oder den Schüler keine Formatverschiebungen ergeben, und sie das Dokument ausdrucken können. Möchten Sie, dass die Lernenden das Dokument digital bearbeiten, wählen Sie zum Hochladen ein bearbeitbares Format wie Word.

 

Immer mit dabei!

Um der Klasse eine Mitsprachemöglichkeit zu eröffnen („Confer“), bietet es sich an nachzufragen, ob sie lieber digital oder analog arbeiten möchten und diesen Präferenzen, wenn möglich, zu folgen.

 

Die meisten Lernplattformen ermöglichen nicht nur die Bereitstellung „einfacher“ Textdokumente und Arbeitsblätter, sondern erlauben auch die Erstellung eines Wikis. Beginnen Sie ein solches in Ihrem digitalen Kurs, können die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Fragestellungen gemeinsam an diesem Dokument arbeiten. Das ist beispielsweise empfehlenswert, wenn in Gruppen Informationen recherchiert und zusammengetragen werden, wenn verschiedene Argumente zu einer Sachlage formuliert werden, oder auch im kreativeren Bereich, wenn die Lerngruppe eine gemeinsame Geschichte schreibt. Mit solchen Aufgabenformen können sie ein Stück weit dem „Confer“ gerecht werden, da die Lernenden in der Kollaboration mit den Mitschülerinnen und Mitschülern ihre eigene Mitwirkung spüren und dem Gefühl entgehen im Fernunterricht nur allein vor sich hin zu arbeiten.

 

Formate, die motivieren

Methodische Vielfalt und abwechslungsreiche Unterrichtsmaterialien tragen zur Aufrechterhaltung der Motivation („Captivate“) der Schülerinnen und Schüler bei, die die Effektivität ihres Unterrichtens steigert. Um diese zu erreichen, gibt es unter anderem diese Möglichkeiten:
  • verlinken Sie in der Lernplattform beispielsweise eine Video- oder Audiodatei
  • laden Sie eine Datei hoch und stellen Sie den Lernenden in einem Textdokument Verständnisfragen zum Gesehenen oder Gehörten
  • regen Sie im Anschluss eines Video- oder Audioformats eine Forumsdiskussion an
  • lassen Sie die Klasse eigene Texte schreiben
  • animieren Sie sie in Kleingruppen dazu, Themendossiers zu erstellen
  • lassen Sie sie ein digitalen Portfolios oder Collagen zu bestimmten Themen erstellen

Um in Übungsphasen ebenfalls methodische Vielfalt einzubringen, eignen sich interaktive Übungen und Spiele. Diese sind auf manchen Lernplattformen direkt erstellbar. Aber auch unabhängig von Lernplattformen lassen sich vielfältige digitale Übungen erstellen. Quiz, Kreuzworträtsel, Memory-Spiele, Lückentexte und viele weitere Übungen und Spiele zu allen Schulfächern lassen sich zum Beispiel kostenlos auf der Webseite www.learningapps.org finden und auch selbst erstellen. Einen ausführlichen Beitrag zu LearningApps und einen Leitfaden zur Erstellung eigener interaktiver Lernbausteine finden Sie auf RAAbits Online in der Rubrik „Lehrerleben. Solche Übungen können Sie den Lernenden per Link oder QR-Code zur Verfügung stellen, oder auch – je nach Lernplattform – direkt per SCORM-Link in ihren Kurs in der Lernplattform einbinden.

 

Herausforderung angenommen

Bei der Verteilung aller Materialien und Aufgaben sollten Sie stets das C „Challenge“ im Blick behalten. Passen sie den Schwierigkeitsgrad so an das Niveau Ihrer Lerngruppe an, so dass sich alle im Klassenverband weder über- noch unterfordert fühlen. Zwar ist dies im Fernunterricht sicher besonders schwierig, da Sie nicht unmittelbar nachsteuern können, wenn Sie bemerken, dass etwas zu schwierig oder zu leicht ist. Dennoch muss es stets das Ziel sein, möglichst viele Schülerinnen und Schüler mit einer passenden und bewältigbaren Herausforderung zu konfrontieren. Wichtig ist gerade in diesem Zusammenhang das Einholen von Schülerfeedback, der Kontakt zur Klasse, sowie die regelmäßige Korrektur und Kontrolle von Schülerarbeiten, damit sie die Wirksamkeit Ihrer Aufgabenstellungen besser einschätzen können.

 

Persönlich virtuell

Sie können neben Textdokumenten auch andere Dokumente hochladen, also hinterlassen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern doch mal eigene Video- oder Audiobotschaften. Dies können Sie unter anderem nutzen, um den Lernenden das gewünschte Vorgehen bezüglich der gestellten Aufgaben zu erklären, um ein eigenes Erklärvideo zu einem Sachverhalt bereitzustellen, oder um den Lernenden einfach eine motivierende Botschaft für den Fernunterricht mit auf den Weg zu geben. In jedem Fall bewegen Sie sich damit im Bereich „Care“ und „Clarify“, da Sie der Klasse Ihre Fürsorge zeigen, indem Sie sich persönlich trotz des Fernunterrichts so gut wie möglich um ihren Lernerfolg bemühen. Arbeitsanweisungen erteilen Sie nicht nur schriftlich, sondern erläutern sie auch mündlich, um den Schüler:innen so mehr Klarheit und Sicherheit zu vermitteln.

 

Auch das Abgeben von Aufgaben kann digital stattfinden. Ebenso wie im Präsenzunterricht, kann diese Funktion auch digital genutzt werden. Sie können dann die korrigierte Version für jede Schülerin und jeden Schüler individuell als Feedbackdatei hochladen, oder aber eine allgemeine gültige Musterlösung bereitstellen, mit der die Lernenden ihre individuelle Lösung selbstständig vergleichen sollen. An gleicher Stelle ist es in der Regel auch möglich, dass Schülerinnen und Schüler eigene Audioaufnahmen hochladen. Dies kann gerade bei länger andauerndem Fernunterricht für den Fremdsprachenunterricht von besonderer Bedeutung sein, damit die Förderung der Sprechkompetenz nicht zu sehr in den Hintergrund rückt. Datenschutzrechtlich ist das Hochladen eigener Audiodateien durch Lernende und das Anhören und Korrigieren der Aufnahmen durch die Lehrkraft lernplattformintern unbedenklich.