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Leistungsmessung | Ergebnissicherung | Fernunterricht

Leistungsbeurteilung und Dokumentation im Hybridunterricht

Nikola Burkard mit Unterstützung von Franz Fischer
Lesedauer 04:05

Nicht nur bezüglich der Inhalte, sondern vor allem auch bezüglich der Leistungen stellt sich im Fernunterricht die Frage nach der Dokumentation. Grundsätzlich muss klar unterschieden werden zwischen der Leistungssicherung und der Beurteilung von Leistungen im Rahmen benoteter Leistungsnachweise.

Lernen als Chance!

Abseits formaler Anforderungen ist die didaktische Bedeutung von Lernzielkontrollen ernst zu nehmen: Lernen ohne Noten muss von Lernenden wie von Lehrenden als Chance begriffen und gemeinsam die Inhalte, die Freude am Lernen und den persönlichen Mehrwert ins Zentrum gerückt werden. Es ist ganz entscheidend, dass die Schülerinnen und Schüler nicht das Gefühl erhalten, im Fernunterricht „umsonst“ zu arbeiten und zu lernen – nur weil sie keine Bewertung in Form von Noten erhalten! Es geht beim Lernen um die Aneignung von Konzepten, Kompetenzen und Methoden, die dabei helfen komplexere Probleme zu lösen und auch außerhalb der Schule anwendbar sind. Dies ist bekannterweise keine Forderung, die ausschließlich den Fernunterricht betrifft, erscheint aber dennoch in der aktuellen Lage besonders wichtig.

 

Feedback als wichtiges Werkzeug

Um diesem Ideal so gut wie möglich gerecht zu werden, ist Feedback ein ganz zentrales Mittel. Der Rahmen der 7Cs beschreibt neben Motivation und Klarheit auch Sicherung („Consolidate“) als Kennzeichen für effektiven Unterricht. Diesen Aspekten kann man im Fernunterricht auch maßgeblich durch Feedback Rechnung tragen. Es eignen sich zahlreiche Methoden:

 

  1. Nutzen Sie beispielsweise Lern-Apps oder ähnliche interaktive Übungen, so erhalten die Schülerinnen und Schüler bei der Bearbeitung automatisches Feedback, da die korrekten Lösungen und eine darauf basierende abschließende Bemerkung im Voraus von der Lehrkraft eingestellt wurden.
  2. Haben Sie schriftliche Produktionen digital „eingesammelt“, sollten Sie diese individuell schriftlich korrigieren und kommentieren. Nutzen Sie dafür auch gängige Office-Programme und deren Korrektur- und Kommentarfunktionen.
  3. Differenzierte individuelle Korrektur ist je nach Ihrer technischen Ausstattung auch auf einem Tablet mit entsprechendem Stift möglich, sodass die entstehende Datei einer analogen handschriftlichen Korrektur ähnelt.
  4. Nicht immer ist eine individuelle Korrektur möglich oder sinnvoll. Versuchen Sie daher, unter Berücksichtigung der Aufgabenformen und ihrer eigenen zeitlichen Ressourcen, stets die reflektierte Auswahl zu treffen zwischen individueller Korrektur und der Bereitstellung einer Musterlösung.
  5. Als Wertschätzung einer besonders gelungenen Schülerarbeit können Sie diese der gesamten Lerngruppe als wertvolles Beispiel zur Verfügung zu stellen, oder die Arbeit im Jahresbericht oder auf der Homepage der Schule veröffentlichen. So entsteht positives und motivierendes Feedback für den erstellenden Lernende und kann ebenso der Lerngruppe als Muster dienen, anhand dessen sie die eigene Produktion eventuell überarbeiten werden kann.
  6. Wenn Sie konkret abgegebene Aufgaben oder allgemein den Lernstand einer Schülerin oder eines Schülers mit diesem besprechen möchten, gibt es die Möglichkeit, kurze Individualsprechstunden per Videokonferenz oder per Telefon abzuhalten.
  7. Möglicherweise zeitsparend, aber dennoch sehr wertschätzend gegenüber den Schülerinnen und Schülern ist die Aufnahme und das Versenden von Audio- oder Videofeedback. Eine solche Botschaft, die der Schüler/die Schülerin sich zu passender Zeit anhören oder ansehen kann, ermöglicht Ihnen zum Beispiel individuelle Erklärungen von vielleicht missverstandenen Sachverhalten, das Herausstellen besonders gelungener oder problematischer Inhalte, oder die Würdigung des diagnostizierten Lernfortschritts.

 

(Selbst-)Einschätzung fördern

Die Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler und deren eigene Beurteilung ihres Lernprozesses und Lernfortschritts ist gerade im Gefüge zwischen Präsenz und Distanz von großer Bedeutung. Durch den mangelnden direkten Kontakt im Fernunterricht erfahren Sie als Lehrkraft im Unterrichtsgeschehen weniger über diese Einschätzungen und die Schüler:innen haben weniger Möglichkeiten, diese Ihnen gegenüber zu artikulieren. Geben Sie Ihnen daher die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten beispielsweise gezielt anhand eines Selbsteinschätzungsbogens zu den aktuellen Inhalten und Methoden zu reflektieren und diese Einschätzung mit Ihren Eindrücken abzugleichen.

 

Aber auch umgekehrt sollten Sie Ihre Aufgabenstellungen bezüglich der Themen, Formate und des Niveaus immer wieder kritisch überprüfen und auch die Kommunikation mit den Klassen reflektieren. Ermöglichen Sie den Schüler:innen dafür mehr Mitwirkung („Confer“) holen Sie sich regelmäßig Feedback von den Schüler:innen ein. Sie können sich über Ihre Lerngruppen per Telefonsprechstunde, in einer Videokonferenz, schriftlich per E-Mail oder natürlich in zwischenzeitlichen Präsenzphasen persönlich nach ihrem allgemeinen Wohlbefinden sowie ihrem Fortschritt mit den gestellten Aufgaben erkundigen. Ein Feedbackfragebogen ermöglicht es Ihnen, differenziertes Feedback zum Schwierigkeitsgrad gestellter Aufgaben, zum von den Klassen benötigten Zeitaufwand oder zur Themenwahl einzuholen. Auch ein solches Tool ist in vielen Lernplattformen integriert und kann so leicht und mit wenig Aufwand genutzt werden.

 

Nehmen Sie das Schülerfeedback ernst, besprechen Sie es, wenn möglich, mit den Schüler:innen gemeinsam nach und ziehen Sie entsprechend reflektierte Konsequenzen für ihren Unterricht!

 

Noten in hybriden Zeiten

Trotz der Betonung der Freude am Lernen und des persönlichen Nutzens abseits der üblichen Notengebung gibt es bestimmte administrative Vorschriften und ein gewisses Maß an Verbindlichkeit, um kontinuierliches Lernen trotz des Fernunterrichts zu fördern. Auch hier gibt es Unterschiede in den Bundesländern, doch grundsätzlich sollen Noten nur in der Präsenzphase gemacht werden dürfen und sollen. Dennoch ist es empfehlenswert bei der Korrektur von Schülerarbeiten im Fernunterricht, grob die üblichen Bewertungseinheiten anzusetzen und die Arbeiten mit einer „Das wäre die Note xy“ Bemerkung zu versehen – so haben die Schülerinnen und Schüler weiterhin eine Orientierung ihrer Leistungen. Zuhause entstandene Inhalte und Aufgaben sollten zudem im Präsenzunterricht – sofern möglich – abgerufen und dort auch benotet werden.


Das didaktische Dreieck


Verbindlichkeit ist für die Lernenden, gerade wegen des hybriden Unterrichts, besonders wichtig. Führen Sie Buch über die Schülerleistungen – beispielsweise mit Anlegen einer Tabelle, in die sie neben der Art der Arbeit auch die Qualität eintragen. Dadurch können Sie schneller erkennen, wenn Schülerinnen oder Schüler im Fernunterricht versuchen „abzutauchen“ und ihnen Hilfestellungen anbieten. Machen Sie ihren Dokumentations- und Korrekturprozess möglichst transparent, so dass den Lernenden bewusst ist, dass ihre Leistungen registriert und wertgeschätzt werden. Halten Sie gegebenenfalls auch regelmäßig Rücksprache mit den Kolleginnen und Kollegen, um zu erfahren, inwieweit die Schülerschaft in anderen Fächern vielleicht ähnliche Probleme mit dem Fernunterricht haben. Auch empfiehlt es sich – besonders wenn Ihnen Schwierigkeiten auffallen – mit den Eltern Kontakt aufzunehmen und diese über den Lernstand des Kindes zu informieren und gemeinsam Verbesserungsmöglichkeiten durchzusprechen.

Die Zusammenarbeit mit allen am didaktischen Dreieck beteiligten Personen und den anderen Lehrkräften, sowie die fortwährende Anstrengung, die 7Cs für effektiven Unterricht umzusetzen, helfen dabei, den Lernerfolg im Fernunterricht und in verschiedenen situativ notwendigen Mischformen zu steigern. Lassen Sie sich also auf neue Ideen, Medien und Methoden ein und bleiben Sie trotz der schwierigen Lage optimistisch.