hybrider Unterricht - Illustrierte Person zeigt mit Stock auf Liste an großem Tablet AleksandraMatvejeva/iStock+/Getty Images
Fernunterricht

Unterricht zwischen Distanz und Präsenz – mit sieben Cs durch den hybriden Unterricht

Nikola Burkard mit Unterstützung von Franz Fischer
Lesedauer 2:40 Minuten

Wechsel-, Online-, Hybrid- oder Präsenzunterricht – die vergangenen Monate haben Lehrende und Schülerinnen und Schüler vor besondere Herausforderungen gestellt! Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Arbeitsroutinen und Ablagesysteme auf die neue Situation ausrichten, Parallelstrukturen vermeiden und dabei immer den Überblick behalten – über alle Klassen, alle Schülerinnen und Schüler und alle Aufgaben, die anstehen. Denn im Fokus steht dabei immer, möglichst guten Unterricht zu machen!

Viele Begriffe – viele Herausforderungen!

Homeschooling, Fernunterricht, Lernen Zuhause, Online-Unterricht, Distanzlernen – die Bezeichnungen für die aktuelle Unterrichts- und Lernsituation scheinen fast so vielfältig wie die Meinungen dazu. Zumindest manche der Bezeichnungen sind begrifflich zu unterscheiden, um verständlich zu machen, wo Sie, als Lehrkräfte, gefordert sind.

  • Homeschooling:
    Nicht neu, sondern schon seit Jahrhunderten existent, ist das Homeschooling, das Unterrichten zuhause – meist durch die Eltern. Doch in Ländern wie Deutschland, in denen es eine Schulpflicht gilt, ist Homeschooling gesetzlich verboten, um die Umsetzung der staatlichen Lehrpläne sicherzustellen.
  • Fernunterricht:
    Trotz räumlicher Trennung sind ausgebildete Lehrkräfte, die den Lernenden mit Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln und den Lernerfolg auch überprüfen. Gerade hier sind Formen des integrierten Lernen, Blended Learning, sinnvoll, um alle Möglichkeiten – analog ebenso wie digital – für den bestmöglichen Erfolg auszuschöpfen.
Somit wird deutlich, dass Fernunterricht, gerade als hybride Version, das aktuelle ebenso wie das zukünftige Unterrichtsgeschehen beeinflussen, wenn nicht gar beherrschen wird!

hybrider Unterricht
Beziehungen verschieben sich bei Präsenz- und Fernunterricht. 

Beziehungen im didaktischen Dreieck des Präsenz- und des Fernunterrichts frei nach Zierer: 
https://alp.dillingen.de/aktuelle-unterstuetzungsangebote/paedagogik/

Beziehungen neu denken und für den Lernerfolg nutzen

In der Didaktik des Präsenzunterrichts sind die Beziehungen zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Stoff ausschlaggebend, doch mit Aufnahme des Fern- und/oder Hybridunterrichts müssen wir daher aktuell in besonderer Form auch die Eltern in das Beziehungsgeflecht des Lernens eingewoben werden. Für den Lernerfolg sind die Erwartungshaltung und die Unterstützung der Eltern beim Lernen ebenso wie der sozioökonomische Status wichtig. Dabei geht es nicht um die Übernahme der Lehrerrolle durch die Eltern, sondern um deren Interesse und Nachfragen, wie die eigenen Kinder mit dem Stoff zurechtkommen. Auch die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler haben großen Einfluss auf den Lernerfolg: Hohe Motivation, Konzentration, Ausdauer und Engagement, sowie deren Selbstkonzept sind Faktoren mit hoher Effektstärke für den Lernerfolg. Zwar sind dies Einflussfaktoren auf Schüler- und Elternseite auch im Präsenzunterricht sehr wichtig, stellen aber gerade im Fernunterricht eine besondere Herausforderung dar, da sie von der Lehrkraft nur wenig bis gar nicht beeinflussbar sind.

Die „7Cs“: Neue Formate und Werkzeuge für neues Lernen

Lehrkräfte müssen sich nun umso mehr auf die Faktoren konzentrieren, die unmittelbar beeinflussbar sind und sie müssen der Eltern- und Schülerschaft beratend zur Seite stehen, um die Lernbedingungen zuhause zu verbessern. Einen Rahmen, in dem sich erfolgreiches Unterrichten immer bewegen sollte, und innerhalb dessen sich auch die von Lehrkräften beeinflussbaren Stellschrauben für erfolgreichen Fernunterricht verorten lassen, ist der „7Cs framework of effective teaching“:

  1. CARE
    Fürsorge bieten Sie, indem Sie regelmäßig mit Eltern und Ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt bleiben. Schaffen Sie mündliche, persönliche Rückfragemöglichkeiten.
  2. CONFER
    Bieten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern eine Mitsprachemöglichkeit. Fragen Sie nach, ob sie lieber digital oder analog arbeiten möchten und folgen Sie, wenn möglich, diesen Präferenzen!
  3. CAPTIVATE
    Erarbeiten Sie vielfältige Methoden und Unterrichtsmaterialien, um die Motivation der Lernenden aufrechtzuerhalten und damit die Effektivität des Unterrichts zu steigern!
  4. CLARIFY
    Schaffen Sie Klarheit, da Sie im persönlichen Kontakt, und sei es „nur“ per Telefon, Aufgabenstellungen und Erwartungen besser verdeutlichen können!
  5. CONSOLIDATE
    Sichern Sie das Erlernte! Helfen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, die Ergebnisse zu verinnerlichern, indem Sie Gerlerntes zusammenfassen und wiederholen lassen!
  6. CHALLENGE
    Konfrontieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mit passenden und bewältigbaren Herausforderungen! Doch passen Sie dabei den Schwierigkeitsgrad dem Niveau Ihrer Klasse an, so dass sich die Lernende nicht überfordert fühlen.
  7. CONTROL
    Bemühen Sie sich um eine gute Klassenführung und versuchen Sie alle Schülerinnen und Schüler im Fernunterricht im Auge zu behalten
hybrider Unterricht
Die 7 Cs, Care, Control, Confer, Captivate, Clarify, Consolidate, Challenge für effektives Unterrichten

Diese Faktoren haben gerade beim Integrierten Lernen, dem so genannten Blended Learning, eine wichtige Funktion. Daher finden Sie bei uns weitere Empfehlungen und Tipps, wie man diesen 7 Cs zwischen Präsenz- und Fernunterricht möglichst gerecht werden kann und welche Rolle dabei insbesondere die Inhalte, Aufgaben und die Leistungssicherung spielen!