Wohlbefinden in der Schule - Illustration von Menschen, die eine Pyramide bauen BRO Vector/iStock/Getty Images Plus
Coaching

Das Wohlbefinden in der Schule steigern – die Pyramide der Wertschätzung

Alessandro Totaro
Lesedauer: 03:31 Minuten

Jugendliche wachsen in einer Gesellschaft auf, in der emotionale Kühle und Geringschätzung immer stärker werden. Wissenschaftler sehen eine Mitschuld an der Digitalisierung der Kommunikation. Der Digitalisierungsboom ist auch an Schulen in vollem Gange, doch auch emotionale und soziale Kompetenz ist entscheidend, damit aus den Schüler:innen verantwortungsvolle und empathiefähige Erwachsene werden können. Denn Smileys und Emoticons können echte Emotionen und zwischenmenschliche Interaktionen nicht ersetzen.
Dieser Beitrag stellt Ihnen die sieben Ebenen der Wertschätzungspyramide vor, die das Fundament für ein gesundes Wohlbefinden an Schulen darstellen.
Eine Checkliste am Ende des Artikels zeigt Ihnen, wie Sie in die direkte Umsetzung kommen. Sie werden langfristig merken, dass eine Atmosphäre der Wertschätzung die Lehrergesundheit fördert und auch die Motivation und Lernleistungen der Schüler:innen optimiert.

Buchtipp
In seinem Buch „Das Wunder der Wertschätzung: Wie wir andere stark machen und dabei selbst stärker werden“ (2019) geht der Psychiater Prof Dr. Reinhard Haller auf die zentrale Bedeutung der Wertschätzung im Umgang mit Mitmenschen ein. Die Sichtweise eines Fachmannes aus der Psychologie kann Lehrkräften neue Perspektiven im Umgang mit Schülerschaft und Kollegium öffnen.

Die sieben Ebenen der Wertschätzung


 
(aus Haller, Reinhard: Das Wunder der Wertschätzung, 2019, Seite 57)

Aufmerksamkeit und Beachtung

Kleine Blitzmomente im Schulalltag: Grüßen im Schulflur, ein Lächeln, Smalltalk während der Pausenaufsicht – das ist die erste Stufe der Wertschätzung. Das Gegenteil der Beachtung – Ignorieren – kann den Jugendlichen das Signal vermitteln, dass diese Ihnen unwichtig sind.

Achtsamkeit

Konflikte in der Klasse, Überforderung oder einfach nur Müdigkeit sollten thematisiert und nicht ignoriert werden. Gehen Sie auf die Befindlichkeiten Ihrer Klasse ein und finden Sie gemeinsam einen Weg, um die Situation effektiv zu meistern. Das gilt auch für den Umgang innerhalb des Kollegiums. Achtsamkeit fördert langfristig Ihre Lehrergesundheit und das Wohlbefinden an der Schule.

Respekt

Wer kennt es nicht? Kurze Pause, Sie müssen noch etwas kopieren und ein/e Schüler:in hat eine Frage. Statt „Habe ich doch im Unterricht schon gesagt, du musst auch mal zuhören!“ – sollten Sie versuchen, auch in stressigen Situationen nicht genervt zu reagieren, sondern freundlich und respektvoll zu bleiben. Sie haben eine Vorbildfunktion für Ihre Schüler:innen. Leben Sie gute Verhaltensweisen vor, statt zu kritisieren und zu bestrafen, denn ein respektvoller Umgang in der Schule ist das A und O für Wohlbefinden an der Schule.

Anerkennung

Loben Sie soziale Kompetenzen und gutes Verhalten Ihrer Schüler:innen vor der ganzen Klasse. Achten Sie jedoch auch darauf, dass Ihr Lob authentisch ist. Eine Inflation an Lobeshymnen bewirkt das Gegenteil.

Wertschätzung

Zeigen Sie persönliche Wertschätzung. Ein Beispiel: Schreiben Sie auf Geburtstagskarten keine Floskeln, sondern gehen Sie auf die Stärken des Schülers oder der Schülerin ein und schreiben, wieso Sie froh sind ihn oder sie in Ihrer Klasse zu haben. Kleine Aufmerksamkeiten haben eine enorme Wirkung.

Vertrauen

Vertrauen schaffen Sie, indem sie die fünf unteren Ebenen der Wertschätzung tagtäglich umsetzen. Reden Sie - zum Beispiel in der Mittagspause - häufiger über persönliche Themen mit Ihren Schüler:innen. Achten Sie auch darauf, dass Sie Versprechen einhalten.
Haben Sie eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung aufgebaut, werden die Jugendlichen Sie eher um Rat fragen, wenn sie Probleme haben. Vertrauen schafft eine Basis für eine produktive und effektive Arbeits- und Lernatmosphäre und steigert das Wohlbefinden in der Schule.

Liebe

Manchmal gibt es Situationen, in der Sie als Lehrkraft auf dieser höchsten Ebene agieren können. Zeigen Sie z.B. Mitgefühl, wenn ein Kind gerade ein Familienmitglied verloren hat.

Buchtipp
Der Pädagoge Janusz Korczak fasst in seinem Buch „Wie liebt man ein Kind” die wesentlichen Punkte seiner dem Kind zugewandten Pädagogik zusammen. Er war einer der ersten Pädagogen, die Anfang des 20. Jahrhunderts dafür plädierten, das Kind zu achten und wertzuschätzen, anstatt es zu unterdrücken.

Checkliste für den Schulalltag

  • Bleiben Sie in schwierigen und stressigen Situationen höflich und gerecht.
  • Versuchen Sie niemanden zu übersehen, um niemanden zu kränken.
  • Schaffen Sie Transparenz, indem z.B. eine unangenehme Unterrichtsatmosphäre direkt ansprechen. Wohlbefinden in der Schule ist auch für Ihre Schüler:innen wichtig.
  • Gehen Sie empathisch mit Problemen wie Liebeskummer, Streitigkeiten oder Trauer um.
  • Loben Sie anerkennend, wenn Sie positive Verhaltensmuster bei Ihren Schüler:innen beobachten.
  • Reden Sie in Pausen auch über nicht-schulische Themen, um Vertrauen aufzubauen.
  • Fördern Sie die Wertschätzung in Ihrer Klasse mit kleinen Aktionen: Geburtstagskarten, Leistungen belohnen (Zertifikate) etc.